Neue Protestformen der KlimabewegungNachdem die internationalen Klimaverhandlungen in Kopenhagen im Jahr 2009 von vielen Akteur*innen als gescheitert angesehen wurden, suchten desillusionierte Klimaaktivist*innen nach neuen Aktionsformen. Die Gruppe Rising Tide North America reagierte auf den Kongress mit dem Slogan „The Climate Movement is dead. Long live the Climate Movement“ (Die Klimabewegung ist tot. Lang lebe die Klimabewegung). Der bolivianische Präsident Evo Morales lud 2010 zu einem alternativen Klimagifel ein. Nicht-Regierungsorganisationen vernetzten sich zunehmend international und unabhängig von den UN-Klimakonferenzen. 

Neue Protestformen der Klimabewegung


Im Jahr 2014 fand ein großer ‚climate march‘ in New York mit über 300.000 Menschen statt. Kurz vor der UN-Konferenz von Paris im Jahr 2015 folgten zahlreiche weitere Klimaproteste. Laut 350.org fanden über 2000 Veranstaltungen in 175 Ländern statt. Ebenfalls im Jahr 2015 startete das Bündnis Ende Gelände mit jährlichen Aktionen zivilen Ungehorsams an deutschen Braunkohlestandorten. Wie auch Klimacamps, die an unterschiedlichen Standorten weltweit stattfinden, weißt Ende Gelände damit auf Klimazerstörungen durch bestehende Kohlekraftwerke hin. Hervorzuheben sind in Deutschland die Proteste im Hambacher Forst. In den USA wurde im Jahr 2016 ein Camp im Standing Rock Reservat ins Leben gerufen, bei dem tausende Angehörige indigener Völker und zahlreiche Unterstützer*innen gegen den Bau einer Erdölpipeline protestierten. International entfachen sich immer wieder Proteste an lokalen Projekten wie Mienen, Staudämmen oder Ölpipelines und richten sich dabei sowohl gegen soziale Ungerechtigkeiten als auch gegen Umwelt- und Klimaschäden. Diese Proteste sind mitnichten immer ungefährlich. Im Jahr 2019 zählte die internationale NGO Global Witness  212 getötete Umweltaktivist*innen, allen voran in Kolumbien, aber auch in Rumänien.

 

Junges EngagementJunges Engagement

Am 20. August 2018, begann die 15 jährige Greta Thunberg mit Schulstreiks für das Klima als Zeichen gegenüber der schwedischen Politik. Hieraus entstand innerhalb weniger Monate die globale Bewegung Fridays for Future (Freitags für die Zukunft). Beim climate march am 15. März 2019 forderten weltweit über eine Millionen Schüler*innen und Unterstützer*innen in 125 Ländern die Einhaltung des Pariser Klimaabkommen. Allein in Deutschland demonstrierten nach Angaben der Veranstalter*innen über 300.000 Schüler*innen in 230 Städten. Die Bewegung hat in kürzester Zeit ein ungewöhnliches globales Ausmaß angenommen. Zusammen mit anderen Aktivist*innen, insbesondere mit der in 2018 gegründeten Gruppe Extinction Rebellion (Rebellion gegen das Aussterben), haben sie den öffentlichen Diskurs im Jahr 2019 maßgeblich geprägt. Mit ihrer nüchternen Forderung an die Politik, sich an ihre eigene völkerrechtliche Vereinbarung zu halten, findet die Bewegung Fridays for Future Unterstützung in der Breite der Gesellschaft. Entgegen der Kritik an den ‚Schulschwänzern‘, haben sich Schritt für Schritt die Parents (Eltern) for Future, Grannies (Omas) for Future und insbesondere auch die Scientists (Wissenschaftler*innen) for Future hinter die Forderungen der Fridays for Future gestellt. Sogar von Seiten der Wirtschaft werden die Proteste von den Entrepreneurs for Future unterstützt. Die jungen Bewegungen zeigen auf, wie dringlich der Handlungsbedarf ist, um eine Klimaerwärmung unter 1,5 bzw. 2 Grad noch zu erreichen.

 

Fotos:   endegelaende / CC BY-NC 2.0

              fridaysforfuture / CC BY 2.0