Die Verbindung zwischen Wohlstand und Lebenszufriedenheit wird hierzulande immer noch vorrangig mit dem Wirtschaftswachstum und einem gesteigerten Bruttonationaleinkommen gemessen. Jedoch wird immer deutlicher, dass diese Messgrößen in einer rohstoff-begrenzten und klimawandelgeschüttelten Welt kaum noch taugen.

Die Soziologin Frigga Haug äußert sich dazu wie folgt: „Wenn wir Wachstum nicht ausschließlich auf die Produktion von Gütern und auf Profite beziehen, können wir unsere Veränderungsstrategien auf die Qualität von Wachstum beziehen und nicht erst jenseits einer „Wachstumsgesellschaft“ beginnen. Da wir in einer Zeit leben, in der immer eklatanter wird, dass es gar nicht darum gehen kann, die Güterproduktion auszuweiten (…), sondern sie vielmehr zurückgefahren werden muss, lösen wir den Blick zunächst von seiner Zentrierung auf die Erwerbsarbeit und sehen auf die anderen gesellschaftlich notwendigen und sinnvollen Tätigkeiten. Hier haben wir durchaus Wachstumswünsche. Sie beziehen sich auf die Bereiche der menschlichen Reproduktion (jetzt vornehmlich von Frauen besetzt), ebenso wie auf den der politischen Teilhabe aller und den, in dem der Mensch selbst Zweck ist, also die künstlerischen und vielfältigen Fähigkeiten entwickelt werden. Alle drei verkümmerten unter dem Primat des Wachstums des Bruttosozialprodukts. Sie alle sollten wachsen, während gleichzeitig der Erwerbsarbeitsbereich stark schrumpfen, zumindest halbiert werden sollte. 

Es ist ohne weiteres ersichtlich, dass eine solche Umverteilung von Arbeit eine Systemveränderung zum Ziel hat, dass sie dies aber nicht bloß verbal folgenlos fordert, sondern sogleich damit beginnen kann. Voraussetzung dafür ist, dass immer mehr Menschen sich davon überzeugen, dass in den derzeitigen einander jagenden Krisen gar kein anderer Ausweg möglich ist. Der Kapitalismus hat uns zugleich in eine Finanzkrise, eine Überakkumulationskrise, eine Klimakrise (…) manövriert, ohne dass die Politik auch nur in Ansätzen versucht, das System anders zu regulieren. Der alte Kompass gilt weiterhin, Güterwachstum ist angesagt, es wird auf Export gesetzt und auf zinstragendes Kapital in einem Ausmaß, dass die nächste Krise schon vorprogrammiert ist. So werden die Menschen endlich darauf gestoßen, dass gar nichts anderes bleibt, als dass sie die Gestaltung der Gesellschaft auch zu ihrer Sache machen müssen, und dass sie dafür die Zeit brauchen, sich lernend zu entfalten, sich überhaupt politisch einzumischen und einen anderen Begriff von Arbeit sich zu eigen zu machen, der die Arbeit mit Menschen nicht vergisst, sondern zur Hauptsache macht.“ (Quelle: attac-Kongresspapier „Jenseits des Wachstums“, S.1)

„Brot für die Welt“ blickt dazu auch in den globalen Süden: „Die Erkenntnis, dass BIP-Wachstum nicht automatisch zu einer Verbesserung der Lebenssituation der Menschen führt, zeigt sich an vielen Stellen. Zahlreiche Beispiele belegen, dass die Situation der Armen oft durch Maßnahmen verbessert wird, die nicht zum höchstmöglichen Wachstum der Wirtschaft führen. Die Verteilung von Land kann beispielsweise dazu führen, dass Nahrungsmittel für den eigenen Bedarf statt Exportprodukten angebaut werden, was zu einer deutlichen Senkung des BIP führen würde. Als Sackgasse hat sich für viele Staaten erwiesen, über Steuerbefreiungen und Subvention in sogenannten Freien Exportzonen Unternehmen anzulocken, die dort zu Niedrigstlöhnen produzieren lassen. Zwar steigen dadurch die Exporte und das BIP, doch sind die Arbeitsbedingungen häufig sehr schlecht und die lokale Wertschöpfung tendiert gegen Null.“ (EED/Brot für die Welt: Die Wirtschaft braucht neue Maßstäbe. Handreichung. Bonn, 2010)

Let's work to live life and not live to work!
Let's challenge the culture of overworking for wasteful consumption.
Let's resist the worship of money, comfort and selfishness!
(S. Suleman)

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