Die Zeiten, in denen faire Produkte ausschließlich im Eine-Welt-Laden zu finden waren, sind vorbei.

Supermärkte:

Auch wenn Discounter billigere Produkte verkaufen, kann man davon ausgehen, dass herkömmliche Supermärkte durch ihre Marktmacht mitverantwortlich sind für schlechte Handelsbedingungen und die Verletzung von Arbeits- und Sozialstandards im globalen Süden. Aber Supermärkte haben im Vergleich zum Discounter oft eine breitere Produktauswahl und mehr Markenartikel.

Rewe bietet beispielsweise fairen Kaffee, Tee, Schokolade, Wein und Orangensaft von der gepa. Edeka hat, ähnlich wie Netto, u.a. faire Rosen im Angebot.

Discounter:

Seit ein paar Jahren bieten auch Discounter fair gehandelte Produkte an. Zum Beispiel hat Lidl 2006 seine Eigenmarke „Fairglobe" (TransFair gesiegelt) ins Leben gerufen. Es werden z.B. Orangensaft, Kekse, Schokolade oder Reis angeboten. Auch Aldi-Süd verkauft unter der Eigenmarke „One World" Kaffee und anderes. Und Netto (Edeka-Gruppe) hat seit kurzem faire Rosen im Angebot, sowie Penny (Rewe-Group) den „Café Intención ecológico".

Der Umsatz des Fairen Handels ist seither angestiegen. Gleichzeitig entstand die Diskussion, ob es sinnvoll und moralisch vertretbar ist, dass ausgerechnet Discounter als bekannte Preisdrücker und „Gewerkschaftsverhinderer" fair gehandelte Produkte anbieten. TransFair vergibt Siegel nach international festgelegten Standards - für die Produzenten und Produzentinnen. Diese beinhalten aber keine Vorgaben für den Verkauf z.B. in Deutschland. Das heißt, dass sich der faire Handel auf die Produktion in Asien, Afrika und Lateinamerika bezieht - und nicht auf den Endverkauf an der Ladentheke. Da das Ziel von TransFair ist, möglichst vielseitige Absatzmöglichkeiten zu schaffen, ist die Entscheidung des Verkaufs an Discounter folgerichtig. So können effektiv neue Kundenschichten erreicht werden.

Da der Endpreis der Produkte jedoch nicht festgeschrieben wird, können Discounter, die ja sehr große Mengen einkaufen, ihre fair gehandelte Ware z.T. günstiger anbieten, als etwa ein Bioladen. Das ist doch gut, meinen die einen, so können sich auch finanzschwache Konsument_innen fair gehandelte Produkte leisten. Andere Stimmen erwidern, dass es absurd sei, diese Produkte anzubieten, wenn ein paar Regale weiter zu Hungerlöhnen produzierte Produkte liegen und auch die Mitarbeiter_innen der Discounter untertariflich bezahlt werden. Die Gefahr des „sauberen" Deckmäntelchens ist angesichts fortgesetzter Verletzungen von Arbeitnehmer_innenrechten bei Discountern nicht zu leugnen. Kritiker des Discounter-Geschäfts mahnen einen Verlust des höchsten Wertes fairer Produkte: der Glaubwürdigkeit.

Im März 2012 wurde Lidl mit dem Fair-Trade Award von Transfair ausgezeichnet. Der Anlass sind zwölf faire Produkte im Sortiment und die Vorreiterrolle, die Lidl damit bilde. Scharf kritisiert wird dieses Vorgehen allerdings z.B. von Oxfam. Bei einer Studie über die Arbeitsbedingungen der Plantagenarbeiter, die für Lidl ernten, fand Oxfam heraus, dass Hungerlöhne und Pestizid-Verwendungen in Anwesenheit der Arbeiter zum Alltag gehören.

Eine Erläuterung zur Zusammenarbeit von TransFair und Discountern gibt es hier.

Ebenso gibt es eine Pressemitteilung vom Dachverband Entwicklungspolitik Baden-Württemberg zur Kooperation von TransFair und Lidl. Diese ist von 2006, zeigt aber immer noch deutlich die Gegenposition auf.

Bioläden:

Auch im Bioladen kann man faire Produkte kaufen. Aber fair ist nicht gleich bio! Einige Infos gibt's auf der Seite dazu.