Konflikte um Rohstoffe
Die Mischung aus schwierigen politischen Rahmenbedingungen und der begrenzten Verfügbarkeit von Rohstoffen begünstigt in vielen Fällen die Option, auf Konflikt statt Kooperation zu setzen. Es gibt auch zahlreiche Beispiele, wo ein gewaltförmiger Zugang von vornherein einkalkuliert ist, er ist dann gewissermaßen unausgesprochener Teil einer Unternehmensstrategie. Umgekehrt wird jedoch die „Knappheit“ und „Konkurrenz“ von Rohstoffen zuweilen als Rechtfertigung für eine aggressivere Politik, bis hin zur militärischen Intervention, heran gezogen.
Vereinzelt sprechen sich mittlerweile auch deutsche Politiker offen für ein militärisches Durchsetzen deutscher Rohstoffinteressen aus, so z.B. der EU-Abgeordnete Elmar Brok (CDU). Darüber hinaus scheut sich die Bundesregierung nicht, für Ölgeschäfte mit Despoten in Afrika zu kooperieren, z.B. mit Äquatorialguinea (Tipp: Monitor-Bericht)
Mehrere Faktoren geben dem Run auf die Rohstoffe besondere Brisanz: Die begehrten Ressourcen sind mehrheitlich nicht in den Ländern Europas zu finden, sondern müssen außerhalb Europas gesucht und gefördert werden Diese Zielländer verfügen oftmals nicht über zuverlässige demokratische Strukturen oder eine effektive Regierungsführung. Sie sind oft von Korruption und Intransparenz in der Verteilung der Gewinne aus dem Rohstoffabbau gekennzeichnet. In einigen Fällen trifft man auf eine massive Gewaltförmigkeit zur Durchsetzung der Interessen der Eliten. Abnehmer (Länder oder transnationale Unternehmen/Konsortien) haben einen erheblichen Anteil an diesem Zustand. Da zugehört auch die Missachtung des Rechts der Bevölkerung auf eine "freie, frühzeitige und informierte Zustimmung" (Free, Prior, Informed Consent, FPIC) zum Ressourcenabbau.
Die Rohstoffe werden weltweit immer knapper. Sind die Vorkommen erst einmal gefunden, stehen Investoren unter Zeitdruck, um sie sich gegenüber konkurrierenden Unternehmen oder Staaten zu sichern.
Ressourcenkonflikte finden vorrangig in den Produzentenländern statt. Paradoxerweise kommt es gerade in ressourcenreichen Regionen (wo es also viel zu verteilen gäbe) zu gewaltförmigen Konflikten. Aber auch bei einer nicht-konfliktiven Aneignung der Rohstoffe profitiert die Bevölkerung meistens nicht von den Erlösen. „Unser Reichtum hat immer unsere Armut hervorgebracht“ (Eduardo Galeano). Dies bezeichnet man auch als den „Ressourcenfluch“. Umgekehrt kann auch Ressourcenarmut (z.B. bei Wasser) Konfliktursache sein, es kommt eben stets auf die Ressource und die Umstände an.





