Die Welt im Rausch der Rohstoffe
Der Rohstoffsektor boomt, anscheinend krisensicher, am beginnenden 21. Jahrhundert. Verarbeitete Rohstoffe begleiten unseren Alltag von früh bis spät. Unser Wohlstand hierzulande wäre ohne den nahezu ungehinderten Zugang zu bezahlbaren Rohstoffen undenkbar. Waren es bis vor einigen Jahrzehnten lediglich die „klassischen" Industrieländer Europas, Nordamerikas und Japan, die sich den globalen Rohstoffmarkt untereinander aufteilten und die Ressourcen-Vorkommen in den jeweiligen Herkunftsländern ausbeuteten, sind heute zahlreiche aufstrebende Schwellenländer hinzugekommen, wie z.B. die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika).
Sie sind nicht nur schnell wachsende Player auf den globalen Märkten, sondern entwickeln eine wirtschaftliche Dynamik, die sich nicht nur im Wachstum, sondern auch im Verbrauch von Ressourcen oder den CO2-Emmissionen widerspiegelt. Mit der digitalen Industrie sind darüber hinaus neue Rohstoffe wie etwa die sogenannten „seltenen Erden" dazugekommen, die für die Herstellung von Platinen und anderen elektrotechnischen Teilen unerlässlich sind. Hinzu kommt, dass der Verbrauch von „klassischen" Rohstoffen weltweit, auch bei uns, eher noch steigt. Dies gilt z.B. für Energierohstoffe wie Erdöl, Erdgas oder auch für metallurgische Ressourcen wie Eisenerz und Kupfer.
Oft wird vergessen, dass auch sauberes (Süß-)Wasser eine Ressourcen darstellt, sie ist für unsere Existenz unbestreitbar die wichtigste, wird aber auch zur Verarbeitung von anderen Rohstoffen in großem Ausmaß verwendet. Auch landwirtschaftliche Produkte wie Weizen, Reis oder auch Nutztiere gelten als Ressourcen.
Für den Abbau, die Nutzung und „Entsorgung" natürlicher Rohstoffe werden weitere Güter benötigt, wie Wasser, Luft, Boden/Fläche und natürlich menschliche Arbeitskraft. Der Abbau von Rohstoffen ist in vielen belegten Fällen mit ökologischen und sozialen Folgeproblemen verbunden: Menschen müssen einer Kupfermine weichen (Chile), werden in den Koltanminen zu Zwangsarbeit verpflichtet (Kongo), verlieren ihre angestammten Ländereien für eine Erdölpipeline (Tschad), werden aufgrund eines Staudammbaus umgesiedelt (Brasilien), wegen Eisenerzvorkommen von lokalen Militärs bedroht (Indonesien) oder dürfen zugunsten der Papierindustrie ihre Religion nicht mehr an ihren heiligen Stätten ausüben (Kanada). Die Verschmutzungen von Wasser, Luft und Boden sind ebenfalls erheblich und schädigen Menschen und die Artenvielfalt. Dabei ist der wirtschaftliche Druck auf die Länder des globalen Südens, die vorhandenen Ressourcen zum Abbau oder zur Exploration freizugeben, enorm. So groß, dass z.B. Ecuador entgegen seiner neuen, aus umwelt-sozialer Sicht progressiven Verfassung, Bergbau- und Erdölkonzessionen gegen den massiven Widerstand der lokalen Bevölkerung überall im östlichen Amazonastiefland durchsetzt. Dies ist ein klarer Verfassungsbruch, per präsidialem Dekret durchgesetzt. In vielen Teilen der Welt müssen Menschen, die sich gegen den unkontrollierten und rücksichtslosen Abbau von Rohstoffen wehren, mit Verfolgung und Repressionen rechnen.
Wo werden Rohstoffe eigentlich genau abgebaut? Hier finden Sie eine interaktive Weltkarte, auf der die wichtigsten Rohstoffe abrufbar sind.





