Konflikte um Wasser
Die Weltbank warnt davor, dass in den nächsten 20 Jahren die weltweite Nachfrage nach Frischwasser das Angebot um 40 Prozent überschreiten wird. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnen damit, dass sich die Zahl der Menschen ohne ausreichende Wasserversorgung vor allem bedingt durch die Folgen des globalen Klimawandels in den nächsten Jahrzehnten auf ca. 4 Mrd. erhöhen wird. Das wird dann die Hälfte der Menschheit sein. (globalwater.jhu.edu/magazine/article/the_world_is_dry)
154 Länder weltweit teilen sich Flussläufe. Immer mehr Länder, die von Trockenheit betroffen sind, entscheiden sich, ihre Flüsse aufzustauen oder zapfen mehr und mehr des Wassers für die Landwirtschaft ab. Diejenigen Länder, die am Unterlauf desselben Flusses liegen, haben das Nachsehen. In Afrika gibt es Auseinandersetzungen um die Nutzung des Nilwassers oder des Tschadsees, der zwischen den 1960er Jahren und Anfang dieses Jahrhunderts bereits um 90% geschrumpft ist. Auch die Anrainer-Staaten des Mekongflusses in Ostasien - China, Thailand, Laos und Vietnam - sind sich darüber uneins, wer wie viel Wasser nutzen darf.
Aber auch innerhalb von Staaten kann es zu Konflikten kommen. 2004 musste der Ministerpräsident des indischen Bundesstaates Kerala das dortige Coca-Cola-Werk schließen lassen, weil die Proteste gegen die Abfüllanlage des Getränkekonzerns außer Hand gerieten. Coca-Cola benötigte täglich 1,5 Milliarden Liter Wasser, woraufhin 260 Brunnen rund um das Abfüllwerk versiegten.
Laut der Gesellschaft für Bedrohte Völker GfbV droht mehreren zehntausend Ureinwohnern in Asien, Afrika und Südamerika die zwangsweise Umsiedlung, weil auf ihrem Land Staudämme errichtet werden. Fischer und Kleinbauern verlieren ihre Existenzgrundlage. Ethnische Gruppen der Shan und Karen in Burma, Adivasi in Indien, Himba-Ureinwohner in Namibia, Mursi und Kara in Äthiopien, Turkana in Kenia, Mapuche in Chile, Aymara und Ashaninka in Peru oder in freiwilliger Isolation lebende Indigene im Amazonasbecken sind bedroht. Im Nahen Osten mischen sich Konfliktkonstellationen mit politischen und religiösen Motiven. Trinkwasser birgt dort ein besonders großes Konfliktpotenzial.
Generell unterscheidet man
- Wasserkonflikte zu Konsumzwecken (Aufteilung von Wasserressourcen z.B. für Landwirtschaft)
- Konflikte um relative Verteilung (z.B. Interessenskonflikte zwischen Trinkwasser und Wasserkraft/Energie-Erzeugung)
- Konflikte aufgrund von Wasserverschmutzung (Interessenskonflikte zwischen Industrie und Haushaltsbedarf, auch Tourismus).
Es wäre trotz alledem falsch zu behaupten, dass Konflikte stets gewaltsam ausgetragen werden. Im Gegenteil: Ressourcenkonflikte haben auch immer die Chance, friedlich und kooperativ abzulaufen. Von den 1.800 Wasserkonflikten von 1948 bis 1999 ist kein einziger in einem erklärten Krieg gemündet, rund ein Viertel der Konflikte ist mit feindlichen Äußerungen einher gegangen. Mehr als 2/3 der Konflikte sind kooperativ ausgetragen worden - wenn auch nicht immer komplett gelöst (www.transboundarywaters.orst.edu/publications/conflict_coop/).





