Rechte statt nur Hilfe!
Oft sehen wir die Menschen in Afrika, Asien und Lateinamerika nur als Hilfsempfänger und nicht als Träger von einklagbaren Rechten. Löst das Zeitungsfoto einer brasilianischen Kleinbäuerin, die von ihrem Land vertrieben wurde, in mir das Bild eines spendenbedürftigen, hilflosen Menschen aus? Oder sehe ich eine eigenständige, handlungsfähige Persönlichkeit, deren Recht auf Nahrung verletzt wird? Es gilt, Menschen als Träger von Rechten wahrzunehmen. Auch die Vereinten Nationen stärken diesen Blickwinkel: Auf Initiative des UN-Entwicklungsprogramms UNDP liegt allen Programmen und Vorhaben der UNO mittlerweile ein menschenrechtsorientierter Ansatz zugrunde.
Viele Menschen haben viele Ideen! Wo aufgrund der politischen Situation oder schlicht aus Armut die Rechte verwehrt werden, bringen sich Menschen in zahllosen Projekten und Aktivitäten selbst in die Lage, sich für ihre Rechte einzusetzen und ihre Situation zu verbessern. Seien es Kleinbauern-Genossenschaften zum Austausch von Saatgut in Tansania, Spargruppen zur Finanzierung von Kleinstunternehmen in Bolivien oder der eigenständig organisierte Aufbau von Dorfschulen mit Solaranlagen in Indien – „Entwicklung“ findet dann nicht von außen gelenkt statt; das machen die Menschen selber.
Natürlich gilt auch hier: Der Norden (die „Industrieländer“) und der Süden (die „Entwicklungsländer“) sind eng miteinander verflochten. Es geht uns etwas an, wie und ob in ärmeren Gesellschaften des globalen Südens Rechte existieren. Und wir können Beiträge leisten, damit sich dort die Situation in den Bereichen Ernährung, Gesundheit, Bildung und Arbeit verbessert und Menschen ihre Rechte in Anspruch nehmen können. Ob politisches Engagement für einen gerechteren Welthandel, Schuldenerlass, fairer Handel, klimafreundliche Mobilität oder Einsatz gegen die Privatisierung von sozialen Dienstleistungen – immer gibt es einen Bezug zum globalen Süden. Durch unser Engagement stärken wir eine Diskussion um diese Themen und um die Menschenrechte auch in Deutschland. Und wir tragen zum Erreichen der Millenniums-Entwicklungsziele bei („Weltweite Armut halbieren bis zum Jahr 2015“).
Gesellschaftliche Bewegungen und Organisationen in Deutschland sollten sich deutlicher zu einem rechtsbasierten Ansatz bekennen. Nur durch seine beharrliche Thematisierung kann es zu einem schrittweisen Wandel vom Hilfs- zum Rechtsansatz kommen. Und nur so kann verhindert werden, dass Rechte als schön klingendes Aushängeschild zur Legitimation von Macht oder für einseitige Interessen instrumentalisiert werden. Darüber hinaus bleibt eigenes Engagement auch für Missstände hierzulande wichtig: Nicht wegsehen wenn Flüchtlingskinder in Deutschland aus Angst vor Abschiebung nicht in die Schule gehen können! Nicht schweigen, wenn das System der Gesundheitsfürsorge schleichend privatisiert werden soll!





