Ist Armut Definitionssache?
Armut wird in den Millenniumszielen vor allem als ein ökonomisches Problem gesehen. Schon die 1 US$-Grenze pro Tag (inzwischen sind es 1,25 US$) als Definition für „absolute Armut“ reduziert die komplizierte Armutsproblematik auf eine rein finanzielle Seite. Politisches Machtgefälle, soziale Ungleichheit, Ungerechtigkeit in der Verteilung von Ressourcen und sozialer Sicherheit werden außer Acht gelassen . Das Grundproblem der ungleichen Verteilung wird konsequent umgangen. Dadurch entsteht der Eindruck, dass die Halbierung der Armut allein durch erhöhte Investitionen beseitigt werden könnte.
Im Zentrum der Millenniumsziele steht vor allem die Finanzierungsfrage, während die Dimension der Menschenrechte weit in den Hintergrund tritt. Die Mongolei hat dieses Problem erkannt und für sich ein neuntes Millenniumsziel hinzugefügt: Die Erfüllung der Menschenrechte.
Natürlich hilft es Menschen zunächst einmal, wenn durch finanzielle Maßnahmen mehr Bildungschancen, bessere Krankheitsprävention, Zugang zu sauberem Trinkwasser und ein Schutz der natürlichen Lebensräume gewährleistet werden. Aber auf lange Sicht bleiben Fragen der Umverteilung und einer grundsätzlichen wirtschaftlichen und politischen Neuausrichtung für mehr soziale Gerechtigkeit ungeklärt.





