Millenniumsziel 2: Grundschulbildung für alle Kinder
Bis zum Jahr 2015 sollen alle Kinder in der ganzen Welt, Jungen wie Mädchen, eine Grundschulbildung vollständig abschließen können.
Eine Grundschulbildung gehört bei uns zum Standard. Aber ungefähr 100 Millionen Kinder im Grundschulalter gehen laut UNESCO weltweit nicht zur Schule. Die große Mehrheit davon sind Mädchen, wobei ihre Einschulungsrate im ländlichen Raum besonders gering ist. Die Hälfte aller Kinder ohne Schulbildung lebt in Afrika südlich der Sahara. Weltweit stieg die Einschulungsrate für die Grundschule von 83 % (1999) auf 86 % (2004).
Die gestiegenen Einschulungsraten kamen vor allem den Mädchen zu Gute. Doch die Abbrecherquoten sind hoch und die Unterschiede zwischen den einzelnen Regionen groß: Lateinamerika und die Karibik stehen mit einer Einschulungsrate von fast 96 % kurz vor der Verwirklichung der allgemeinen Grundschulbildung. Südasien und südliches Afrika sind hingegen noch weit vom angestrebten Ziel entfernt. Die Zahl der erwachsenen Menschen, die nicht lesen und schreiben können, ist seit 1990 um rund 100 Millionen gesunken, dennoch sind derzeit über 771 Millionen erwachsene Menschen Analphabeten, etwa jeder Fünfte weltweit. Zwei Drittel von ihnen sind Frauen. Der Rückgang der Zahl der Analphabeten weltweit ist vor allem auf eine deutliche Verbesserung der Bildungssituation in China zurückzuführen (UNESCO 2007). Die Fähigkeit, lesen und schreiben und damit an Informationen teilhaben zu können, gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen für die Bekämpfung von Hunger, Armut und auch Krankheiten wie HIV/AIDS. AIDS verbreitet sich unter Mädchen ohne Schulbildung doppelt so rasch wie unter Mädchen, die wenigstens über eine geringe Schulbildung verfügen.
Das Erreichen dieses Ziels hat auch unmittelbar Einfluss auf die Erreichung von Ziel 5, das auf die Verbesserung der Gesundheit von Müttern abzielt und Ziel 6, bei dem die Bekämpfung von AIDS im Mittelpunkt steht. Mütter mit Schulbildung lassen ihre Kinder zu 50 % mehr impfen als Mütter ohne Schulbildung. Insofern hat die Erfüllung dieses Zieles auch einen erheblichen Einfluss auf die Verringerung der Kindersterblichkeit, die in Ziel 4 angestrebt wird. Bildung schafft Perspektiven, fördert demokratische Entwicklungen und hilft, Kriege und Umweltzerstörung zu verhindern. Trotz des Wissens um diese Zusammenhänge sinkt der Entwicklungshilfeanteil, der für Bildung zur Verfügung gestellt wird, seit Jahren. Gerade Regionen mit den größten Armutsproblemen und dem größten Bildungsrückstand wie das südliche Afrika sowie Süd- und Westasien werden besonders vernachlässigt. Zugang zu Schulbildung ist von vielen Faktoren abhängig: Bildungshindernisse liegen insbesondere in der HIV/AIDS-Epidemie, Kriegen, Naturkatastrophen und Armut, die Kinder zwingt zu arbeiten, anstatt zur Schule zu gehen. In sehr vielen Ländern sind aber auch Schulgebühren das Haupthindernis für den Schulbesuch.
Die Bildungskrise im südlichen Afrika und die HIV/AIDS-Epidemie verstärken sich gegenseitig. Neben dem Mangel an Lehrkräften werden die Kinder durch AIDS in hoher Zahl zu Waisen und Straßenkindern.





