Millenniumsziel 4: Sterblichkeitsrate von Kindern senken

Die Sterblichkeitsrate von Kindern unter fünf Jahren soll zwischen 1990 und 2015 um zwei Drittel gesenkt werden.
Jährlich sterben weltweit 11 Millionen Kinder vor ihrem fünften Geburtstag - 30.000 Kinder pro Tag. Die Hauptursachen für den Tod vieler Kinder unter 5 Jahren sind Krankheiten wie Durchfall, Erkältung, Masern. Krankheiten, die durch Impfschutz, ausreichende Ernährung, sauberes Wasser, Hygienemaßnahmen und einfache Medikamente verhindert oder behandelt werden können. Etwa zwei Drittel der Todesfälle im Kindesalter könnten durch kostengünstige Maßnahmen verhindert werden.
Sechs Millionen Kinder sterben jährlich allein an den Folgen von Unterernährung, unter der immer noch über 150 Millionen Kinder unter fünf Jahren leiden. Die Beseitigung der extremen Armut (Ziel 1) und Senkung der Kindersterblichkeit hängen also unmittelbar zusammen. Insgesamt ist der Anteil der Kinder, die vor dem fünften Lebensjahr sterben, in den letzten Jahren zwar gesunken, aber in 16 Ländern (14 davon in Afrika) sind die Sterblichkeitsraten von Kindern unter fünf Jahren heute höher als 1990. Dort wird dieses Millenniumsziel nicht termingerecht erreicht. Dementsprechend hat auch der Anteil der unterernährten Menschen in den Ländern im südlichen Afrika und in Südasien zugenommen.
Armut, Unterernährung und schlechte Gesundheit sind ein Kreislauf. Dabei steht die Kindersterblichkeit in unmittelbarem Zusammenhang mit der Müttergesundheit, da sich der schlechte Ernährungszustand der Mutter oft in Mangelernährung der Neugeborenen fortsetzt. Wichtige Maßnahmen zur Senkung der Kindersterblichkeit liegen im Bereich der Bildungsarbeit mit werdenden Müttern und Eltern. Die Kindersterblichkeit sinkt, je länger die Mütter zur Schule gegangen sind. Frauen mit Schulbildung bekommen meist weniger Kinder und können diese besser versorgen. Die Überlebensrate von Kindern, deren Mütter über eine fünfjährige Grundschulbildung verfügen, ist über 40 % höher als bei den Kindern von Müttern ohne Schulbildung. Auch auf Grund der AIDS-Epidemie ist die Kindersterblichkeit wieder angestiegen; in manchen Ländern so extrem, dass dort jetzt so viele kleine Kinder sterben, wie schon seit 30 Jahren nicht mehr.
Es gibt einen engen Zusammenhang zwischen der Gesundheit von Kindern und der Umwelt, die in Ziel 7 im Zentrum steht. Wie die Weltgesundheitsorganisation WHO im Jahr 2006 berichtet, werden 24% aller Krankheitsfälle und 23% aller Todesfälle weltweit durch menschlich verursachte Umweltbelastungen hervorgerufen.
Einen großen Einfluss auf das Überleben und die Gesundheit von Kindern haben Kriege und bewaffnete Konflikte. In mehr als 40 Staaten herrscht derzeit Krieg oder Bürgerkrieg. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation Terre des Hommes starben im vergangenen Jahrzehnt zwei Millionen Kinder in Kriegen und durch bewaffnete Konflikte. Mehr als dreimal so viele wurden verletzt oder trugen Behinderungen davon. Selbst viele Jahre nach offiziellen Friedensverträgen leiden Kinder unter den Folgen von Krieg und Gewalt. Auseinander gerissene Familien und Gemeinschaften, verminte Felder, zerstörte Dörfer, zu wenig Schulen, mangelhafte Infrastruktur und Flucht verursachen eine rasant steigende Zahl von Straßenkindern, deren Gesundheit und Überleben besonders gefährdet ist. In Afrika waren Straßenkinder lange Zeit ein praktisch unbekanntes Phänomen. Bürgerkriege, extreme Armut sowie die rasante Ausbreitung von HIV/AIDS haben jedoch dazu geführt, dass auch dort immer mehr Kinder auf der Straße leben. UNICEF schätzt, dass 33 Millionen Kinder weltweit auf der Straße leben. Sie halten sich mit legalen und illegalen Tätigkeiten über Wasser. Um sich „auf der Straße“ behaupten zu können, übernehmen die Kinder oft auch die Verhaltensweisen von Erwachsenen aus dem Straßenmilieu: Sie „organisieren“ Geld durch gewaltsamen Diebstahl, Prostitution und Drogenhandel. Straßenkinder sind dadurch extremen Risiken ausgesetzt, viele von ihnen sind selbst drogenabhängig. Gesundheitliche Versorgung haben sie nicht. Kriegerische Auseinandersetzungen haben oftmals zur Folge, dass Kinder in Gefahr sind, von Militärs oder Rebellen zwangsrekrutiert zu werden. Manchmal gehen entwurzelte Jungen und Mädchen jedoch auch freiwillig zu ihnen – denn dort gibt es etwas zu essen und eine Art Gemeinschaft. Weltweit wird die Zahl der Kindersoldaten auf 300.000 geschätzt.
Alle diese Faktoren, die zunächst einmal nicht direkt mit dem Ziel der Verbesserung der Kindergesundheit in Verbindung gebracht werden, spielen bei näherem Hinsehen eine große Rolle. Zur Erreichung von Ziel 4 reichen Impfprogramme und medizinische Versorgung alleine nicht aus. Genauso müssen Armut vermindert (Ziel 1), Bildung gefördert (Ziel 2 und Ziel 3), HIV/AIDS bekämpft (Ziel 6) und umfassende friedenspolitische Maßnahmen umgesetzt werden.





