Millenniumsziel 5: Müttersterblichkeit senken

Zwischen 1990 und 2015 soll die Müttersterblichkeitsrate um drei Viertel gesenkt werden.

 

In Entwicklungsländern stirbt in jeder Minute eine Frau während der Schwangerschaft oder bei der Entbindung, das heißt, dass täglich insgesamt 1.400 Frauen an schwangerschaftsbedingten Ursachen sterben - mehr als eine halbe Million Mütter pro Jahr. 99 % dieser Todesfälle treffen Frauen in Entwicklungsländern. Die Weltgesundheitsorganisation WHO nennt dieses Sterben der Mütter eine „unsichtbare Epidemie“. Sie müsste sich nicht ereignen – die meisten der Todesfälle sind auch in den Ländern des Südens vermeidbar.

 

Dennoch tragen Frauen in den ärmsten Ländern ein Risiko von 1 : 16, bei der Geburt zu sterben. Bei uns ist dieses Risiko geringer als 1 : 2.000. Müttersterblichkeit hat vielfältige, miteinander verflochtene Ursachen. Der geringe gesellschaftliche Status von Mädchen und Frauen und mangelnde Aufklärung sind die Hauptursachen für zu frühe, zu häufige und ungewollte Schwangerschaften. Benachteiligung von Frauen und starke Abhängigkeit gehen häufig einher mit der Verwehrung elementarer Grundrechte:

 

  • Das Recht der freien Entscheidung zur Ehe.
  • Das Recht auf freie Entscheidung über die Zahl der Kinder und freie Entscheidung über die Abstände zwischen Schwangerschaften und deren Zeitpunkt.
  • Das Recht auf Zugang zu bestmöglichen Diensten der reproduktiven Gesundheit, um notwendige Informationen und eine gesunde Mutterschaft und eine sichere Geburt zu gewährleisten.
  • Das Recht auf Freiheit vor sexuellem Zwang und sexueller Gewalt sowie Schutz vor Sex mit fehlenden Verhütungsmitteln. Die gesundheitliche Versorgung der Schwangeren ist in vielen Ländern schlecht. Mehr als die Hälfte aller Frauen in armen Ländern entbinden ohne die Hilfe eines Arztes oder einer Hebamme. Im südlichen Afrika entbinden nur 39 % und im südlichen Asien nur 36 % der Frauen mit medizinischer Betreuung. Hier spielt traditionelles Wissen bei der Geburtshilfe oft eine wichtige Rolle.

 

Unsichere Abtreibungen, aber auch Infektionen durch sexuell übertragbare Krankheiten einschließlich HIV/AIDS gehören neben einer höheren Sterblichkeit zu den fatalen Folgen der unausreichenden Gesundheitsversorgung und der starken Abhängigkeit von Frauen in finanzieller und sozialer Hinsicht.

 

Neben der Betreuung während Schwangerschaft und Geburt spielt folglich die Verhütung ungewollter Schwangerschaften und die Reduzierung unsicherer Schwangerschaftsabbrüche eine wichtige Rolle bei der Verringerung der Müttersterblichkeit. Ungewollte Schwangerschaften, die durch sexuelle Gewalt im Rahmen von Kriegen und gewaltsamen Konflikten entstehen, sind dabei für Frauen besonders dramatisch.

 

Nach Schätzungen der WHO sind immer noch 130 Millionen Frauen weltweit Opfer von Genitalverstümmelungen und jedes Jahr kommen zwei Millionen Mädchen und Frauen hinzu. Geburten dieser betroffenen Frauen verlaufen häufig mit lebensgefährlichen Komplikationen für Mutter und Kind und tragen so zu einer Erhöhung der Müttersterblichkeit bei.

 

Die Stärkung der gesellschaftlichen Rechte von Frauen und Mädchen ist der Schlüssel zur Senkung der Müttersterblichkeit. Können Frauen ihre Rechte einklagen, zieht dies oftmals eine Verbesserung des Zugangs zu Gesundheitsdiensten nach sich. Zudem tragen Bildung und Frauenförderung indirekt zur Senkung der Müttersterblichkeit bei. Mädchen mit Schulbildung können später mit einer erheblich besseren Schwangeren- und Wochenbettbetreuung und einer höheren Überlebensrate bei der Entbindung rechnen.

Zurück