Millenniumsziel 6: Gesundheit für alle

Gesundheit gehört zu den Grundrechten eines jeden Menschen. Aber auch am Anfang des 21. Jahrhundert wird einem Drittel der Menschheit dieses Grundrecht vorenthalten. Nach Angaben von Oxfam haben 880 Millionen Menschen keinen Zugang zu medizinischer Basisversorgung und 17 Millionen Menschen sterben jährlich an heilbaren Krankheiten wie Durchfall, Malaria und Tuberkulose, fünf Millionen davon wegen des mangelnden Zugangs zu sauberem Trinkwasser.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO starben im Jahr 2005 jeden Tag weltweit rund 8.500 Menschen an AIDS, das sind 3,1 Millionen pro Jahr. Die Anzahl der HIV-infizierten Menschen stieg zwischen den Jahren 2003 und 2005 von 36,2 auf 40,3 Millionen. Täglich werden weltweit 14.000 Menschen mit HIV infiziert, 2000 davon sind Kinder unter 15 Jahren. Weltweit müssen zur Zeit 2,3 Millionen Kinder unter 15 Jahren mit dem Virus leben.
Tuberkulose ist die Haupttodesursache im Zusammenhang mit AIDS. Das südliche Afrika bleibt das Zentrum der Epidemie und dort ist AIDS die häufigste vorzeitige Todesursache. Hier leben zwar nur 10 % der Weltbevölkerung, aber über 60 % aller HIV-infizierten Menschen und 90 % aller HIV-positiven Kinder. Infolgedessen ist die Lebenserwartung dort dramatisch gesunken: Während Anfang der neunziger Jahre die Bevölkerung mit einer Lebenserwartung von bis zu 60 Jahren rechnen konnte, werden diejenigen, die zwischen 2005 und 2010 geboren werden, im Schnitt 15 Jahre früher sterben. Die HIV/AIDS-Epidemie hat im Bildungsbereich zu großen Problemen geführt. Die UNESCO schätzt, dass im südlichen Afrika allein im Jahr 1999 etwa 860.000 Kinder ihre LehrerInnen durch AIDS verloren haben.
Bildung hat wiederum einen großen Einfluss auf die HIV-Verbreitungsrate. AIDS verbreitet sich unter Mädchen ohne Schulbildung doppelt so rasch wie unter Mädchen, die wenigstens über eine geringe Schulbildung verfügen. Drei Viertel der neu infizierten Menschen in Afrika und Asien sind Mädchen und Frauen. Den stärksten Zuwachs bei Neuinfektionen gab es in den letzten Jahren in Osteuropa, Zentral- und Ostasien. Besonders betroffen sind dabei die Ukraine, Russland und China. In Deutschland gab es Ende 2006 56.000 Menschen, die mit HIV/AIDS leben müssen, mit zurzeit 2.700 HIV-Neuinfektionen pro Jahr. AIDS bringt Leid über Millionen Familien, zerstört ganze Gesellschaften und macht mühsam erreichte Entwicklungsfortschritte zunichte.
HIV/AIDS wirkt sich unmittelbar auf die Ernährungssicherheit aus (Ziel 1). Erkrankt oder stirbt ein Erwachsener, verliert die Familie häufig genau die Person, die für den Unterhalt sorgt. Nach Angaben von UNAIDS haben bisher schon mehr als elf Millionen Kinder in Afrika mindestens ein Elternteil verloren. Wirksame und vor allem günstige Medikamente sind nötig, um den katastrophalen Folgen zu begegnen. In Afrika liegt die Behandlungsrate kaum über 10 %. In Argentinien, Brasilien, Chile und Kuba werden mittlerweile mehr als 80 % der Behandlungsbedürftigen mit der antiretroviralen Therapie behandelt. Mitte des Jahres 2005 hatte jedoch gerade einmal knapp eine Million der Betroffenen in den Ländern des Südens Zugang zu einer Therapie. Geld wird zudem dringend für Aufklärung, Prävention und die beschleunigte Entwicklung von günstigeren Impfstoffen und Medikamenten benötigt.
Nach Angaben der WHO erkranken jedes Jahr weltweit etwa 300 bis 500 Millionen Menschen an der tropischen Infektionskrankheit Malaria - zwischen einer und drei Millionen Menschen sterben daran. Die gefährlichste Form, Malaria Tropica, kann insbesondere bei kleinen Kindern innerhalb weniger Stunden zum Tod führen. In Afrika stirbt nach UNICEF-Angaben alle 30 Sekunden ein Kind an Malaria. Malaria trifft vor allem die Armen, die häufig in beengten und unsauberen Verhältnissen und in der Nähe stehender Gewässer leben, dem Lebensraum der Malariamücke. Rechtzeitig behandelt kann die Krankheit meist geheilt werden. Die meisten Medikamente sind jedoch für die arme Bevölkerung auf dem Land unbezahlbar.
Es gibt viele Ursachen für diese humanitäre Katastrophe, die Hauptursache ist jedoch Armut und mangelnde Bildung. Krankheiten sind oft eine direkte Folge von Armut; Armut ist gleichzeitig oft die Folge von Krankheiten. Erfolge bei der Armutsbekämpfung sind eine der Voraussetzungen dafür, dass die Bekämpfung von Krankheiten gelingen kann.





