Millenniumsziel 7: Eine intakte Umwelt

Die ökologische Situation und Entwicklungschancen stehen in einem engen Zusammenhang: Laut Weltgesundheitsorganisation WHO werden 24% aller Krankheitsfälle und 23% der Todesfälle weltweit durch vermeidbare Umweltbelastungen hervorgerufen. Menschen in armen Ländern sind erheblich höheren umweltbedingten Krankheitsrisiken ausgesetzt als Menschen in den Industrieländern.
Spitzenplatz bei den Erkrankungen nimmt der Durchfall ein, der zu 94% durch unsauberes Trinkwasser und fehlende Kanalisation verursacht wird. Mehr als eine Milliarde Menschen, also etwa 20% der Weltbevölkerung, haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, mehr als doppelt so vielen fehlt es an grundlegenden sanitären Einrichtungen wie Abwassersystemen oder Latrinen. Fünf Millionen Menschen, zumeist Kinder, sterben jedes Jahr an Krankheiten, die durch unsauberes Wasser übertragen werden. Auch bei der Verbreitung von Malaria spielen Umweltbedingungen eine große Rolle, da eine unzureichende Stadtplanung, schlechtes Wassermanagement und eine fehlende Kanalisation das Ansteckungsrisiko erhöhen. Umweltbedingte Infektionen der Atemwege sind ebenfalls sehr häufig.
Aus Mangel an Alternativen werden in Ländern des Südens zum Kochen und Heizen Brennholz, Holzkohle, Dung und Kohle oft innerhalb von Innenräumen verbrannt. Die damit verbundene Luftverschmutzung führt zu Krankheiten, an denen jährlich 1,6 Millionen Menschen sterben. Die Wahrscheinlichkeit, umweltbedingt an Durchfall oder Infekten zu erkranken, ist in den ärmsten Regionen 120- bis 150-mal so hoch wie in den entwickelten Ländern. Ein Leben in Armut zwingt die Menschen dazu, Raubbau an ihrer Umwelt zu betreiben, um z.B. an Feuerholz und Ackerland zu kommen. Gleichzeitig tragen gerade die Industrieländer durch weltweiten, massiven Abbau natürlicher Rohstoffe, hohen Energieverbrauch und CO2-Ausstoß in erheblichem Maß zur Zerstörung der globalen Umwelt bei. Insbesondere die rasche Ausbreitung von Wüstengebieten bedingt durch Waldrodungen und den Klimawandel haben Wasserknappheit, Versalzung sowie die drastische Zerstörung von Vegetation und fruchtbaren Böden zur Folge. Sie betrifft weltweit 36 Millionen Quadratkilometer in mehr als 110 Ländern. In Folge der abnehmenden Bodenfruchtbarkeit und der AIDS-Epidemie ist die Nahrungsmittelproduktion pro Kopf in den letzten 25 Jahren um 23 % gesunken, obwohl die Weltbevölkerung drastisch angewachsen ist.
Fehlende Überlebensmöglichkeiten in ländlichen Regionen zwingen viele Menschen zur Flucht in die überbevölkerten und unterentwickelten Slums der großen Städte oder auch in andere Regionen der Welt. So leben heute eine Milliarde Menschen in Slums, vor allem im südlichen Afrika sowie in Südasien und Lateinamerika. Die Auswirkungen, wie Mangelernährung, Armut und Flüchtlingselend, betreffen mehr als eine Milliarde Menschen. Millenniumsziel 7 sieht daher auch eine erhebliche Verbesserung der Lebensbedingungen von mindestens 100 Millionen Slumbewohnern vor. Der Schutz der Umwelt und der natürlichen Ressourcen ist eine internationale Gemeinschaftsaufgabe. Eine intakte Umwelt ist eine wesentliche Voraussetzung für Armutsbekämpfung und Entwicklung; die Industrieländer stehen hier in einer besonderen Verantwortung, dazu beizutragen





