Landnahme - Landraub - Land-Grabbing
Unter „land grabbing" wird der großflächige Kauf oder die Pacht von Agrarflächen durch staatliche Akteure und private Investoren, sowohl aus Industrie- als auch aus Schwellenländern, durch ausländische Direktinvestitionen (Foreign Direct Investment - FDI) verstanden. Landkäufe und langfristige Verpachtungen haben in den letzten Jahren enorm zugenommen. Insbesondere sind davon arme Entwicklungsländer betroffen, in denen heute schon die Menschen hungern. Auf dem Weltsozialforum der Vereinten Nationen im März 2011 hatte das Thema eine herausragende Stellung. Aktuelle Probleme um die Vertreibung aber auch langfristige Folgen für die Ernährungssicherung sind dabei wichtige Fragen.Aktuelle Entwicklungen
Seit der Nahrungsmittelkrise 2008 investieren Staaten, Unternehmen und Privatpersonen massenhaft in Land. Dabei geht es um Ressourcensicherung für Nahrung, Energieproduktion und Wasser aber auch um Spekulationen. Großflächige Landkäufe oder langfristige Verpachtungen ausländischer Investoren finden neben Asien und Lateinamerika vor allem in Afrika statt.
Risiken und Chancen: Auswirkungen auf die Ernährungssicherung
Die Meinungen und Einschätzungen zu großflächigen Landverkäufen und -verpachtungen gehen weit auseinander. Auf der einen Seite werden sie als positiv bewertet. Weil gerade die ländliche Entwicklung in den letzten Jahren sehr vernachlässigt wurde, besteht die Hoffnung, dass sich durch Investitionen in Land positive Nebeneffekte erzielen lassen.
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Internationale Regelungen
2004 hat die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) "freiwillige Richtlinien zur Unterstützung der Mitgliedstaaten bei der fortschreitenden Umsetzung des Rechtes auf Ernährung" festgelegt. Sie sollen Staaten dabei helfen, das Recht auf Ernährung so schnell wie möglich umzusetzen.
Ähnliches hat die Weltbank mit anderen Organisationen im Januar 2010 auf den Weg gebracht.
Studien
"Rising global interest in farmland" - Weltbank-Studie zu Beispielen von Landkäufen in 14 Ländern zwischen 2004 und 2009 (veröffentlicht 7.9.2010) Download Gesamtstudie (164 S., 2,5 MB); Download Zusammenfassung (4 S., 900 kB). Die Studie fand heraus, dass bis 2008 pro jahr ca. 4 Millionen Hektar Land an Investoren verkauft wurde. 2009 gab es dann einen sprunghaften Anstieg: Alleine in diesem jahr wurden 45 Millionen Hektar Land "geraubt"- das entspricht etwa der Fläche von Spanien oder der Ostsee.
"Land grab or development opportunity? - Agricultural investment and international land deals in Africa" (IIED, FAO, IFAD, 2009) Download (130 S., 1,8 MB)
"Land and Power" - Bericht von Oxfam zum Thema Land Grabbing (September 2011)
Auf weitere Studien weist das Inkota-Netzwerk auf seiner Homepage hin.
Links und Bücher
Wenn Sie weitere Informationen zum Thema Landraub erhalten möchten, schauen Sie doch auf die folgenden Seiten und Organisationen. Sie beschäftigen sich ebenfalls mit dem Thema:
Brot für die Welt, Inkota Netztwerk, Grain, Farmlandgrab.org
Wir empfehlen folgende Broschüren und Bücher zum Thema:
- Broschüre "Land ist Leben", Brot für die Welt u.a., bestellen und herunterladen
- "Peak Soil - Die globale Jagd nach Land" von Thomas Fritz, FDCL-Verlag, erschienen 2010, ISBN: 978-3-923020-46-1
-"Land - Konflikt, Politik, Profit", Zeitschrift für Politik und Ökonomie in der Dritten Welt, Nr. 124, 31. Jahrgang, November 2011, ISBN: 978-3-89691-829-1
April 2012: die erste Datenbank zu Landgrabbing ist online- die sog. Land Matrix. Sie erfasst systematisch Land-Transaktionen der letzten Jahre und schafft einen guten Überblick. Sie wurde u.a. von GIZ, GIGA und Oxfam ins Leben gerufen.





