Klimawandel und Gender

Klar ist: Der Klimawandel betrifft grundsätzlich jede_n. Doch zugleich sind Frauen und Männer unterschiedlich von seinen Auswirkungen betroffen, sie nehmen ihn unterschiedlich wahr und entwickeln verschiedene Ansätze zum Klimaschutz und zur Anpassung an seine Folgen. Der Klimawandel ist nicht geschlechtsneutral, weder im Norden noch im Süden.

 

Dies hat mit bestehenden Ungleichverhältnissen und gesellschaftlich vorgegebenen sozialen Rollen zu tun. Frauen ist in vielen Gesellschaften der Zugang zu Land und Eigentum, zu Bildung und formaler Arbeit verwehrt. Sie sind überproportional von Armut betroffen: 70 % der Menschen, die weltweit unter der Armutsgrenze leben, sind weiblich. Sie sind deshalb häufig weniger gut in der Lage auf Herausforderungen zu reagieren. Nicht nur im Süden sondern auch im Norden sind Frauen, die häufiger über ein geringeres Einkommen verfügen, z.B. von Nahrungsmittel - oder Energiepreiserhöhungen stärker betroffen als Männer.Darüber hinaus sind Frauen traditionell zumeist verantwortlich für die Versorgung der Familie mit Nahrungsmitteln, Wasser und Energie. So produzieren Frauen in der afrikanischen Landwirtschaft über 90 % der Grundnahrungsmittel, weltweit die Hälfte der Nahrungsmittel. Zugleich besitzen sie aber nur etwa 1 % des Ackerlandes. Durch den Klimawandel erhöht sich ihre Arbeitsbelastung. Die afrikanische Sahel-Zone erlebt z.B. immer längere und härtere Dürreperioden. Die Wasserquellen sind dadurch weiter entfernt, Feuerholz ist rar und muss wie das Wasser kilometerweit getragen werden - von Frauen und Mädchen. Zugleich bleibt ihnen immer weniger Zeit für andere Dinge: für Bildung, politische Beteiligung oder auch einfach nur zur Erholung.

 

Ein geschlechtsspezifischer Unterschied ist auch in Bezug auf die gesundheitlichen Folgen des Klimawandels festzustellen. Frauen, Kinder und Alte leiden in Krisenzeiten aufgrund ihrer gesellschaftlichen Stellung oftmals zu allererst unter Mangelernährung. Darüber hinaus sind Schwangere für die Malaria übertragende Anopheles-Mücke besonders anfällig und ihre Immunität gegen die Erkrankung ist in dieser Zeit geringer. Während der Hitzewelle im Jahr 2003 zeigte sich aber auch im Norden, dass Frauen empfindlicher reagieren als Männer, was in der höheren Sterberate zutage trat. Auch in Katastrophensituationen, wie z.B. Überflutungen, Stürmen oder Dürren sind Frauen besonders gefährdet, da sie häufig schlechter informiert werden und der Gewalt von außen dann schutzlos ausgeliefert sind.

 

Doch Frauen sind nicht nur Opfer des Klimawandels, sie verfügen auch über Potentiale und Ideen zum Klimaschutz sowie zum Umgang mit den Folgen, die bislang kaum berücksichtigt werden. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) hat z.B. festgestellt, dass Frauen umweltfreundlicher unterwegs sind: Sie legen mehr als die Hälfte ihrer Alltagswege zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurück. Ein hohes Umweltbewusstsein zeigt sich auch im Konsumverhalten: Frauen kaufen häufiger Bioprodukte und beim Recycling sind sie konsequenter.


Doch so hoch das Umweltbewusstsein der Frauen auch im privaten Bereich sein mag: Das Management von Energiekonzernen und die Entscheidungspositionen in der Politik ist fest in männlicher Hand. So werden auch in der Klimapolitik die Perspektiven und Ideen von Frauen auf lokaler, nationaler oder internationaler Ebene selten berücksichtigt, der Anteil von Gender-Experten und Expertinnen ist gering. Doch Klimapolitik ohne Frauen ist nicht möglich - wir brauchen die Potentiale aller gesellschaftlichen Gruppen. Hierfür setzt sich insbesondere gendercc - ein internationales Netzwerk von Gender-Experten und Expertinnen ein (www.gendercc.net).

 

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