Klimawandel und Gerechtigkeit

Der Klimawandel ist nicht nur ein Umwelt, sondern vor allem auch ein Entwicklungs- u. Menschenrechtsproblem! Er stellt laut Dr. Renée Ernst, der Beauftragten für die UN - Millenniumkampagne in Deutschland, zusammen mit der weltweiten Armut die zentrale Herausforderung für globale Gerechtigkeit dar.


Der energieintensive Lebensstil der Industrieländer ist die Hauptursache der klimaschädlichen Emissionen. Zugleich treffen die klimatischen Auswirkungen vor allem ohnehin arme und marginalisierte Menschen sowie die Least Developed Countries, Afrika und die Small Island Development States. Die Industrieländer in den gemäßigten Zonen profitieren hingegen teilweise sogar! So wird zum Beispiel global betrachtet bis 2050 ein höheres Angebot an Trinkwasser prognostiziert, dieser Zuwachs entfällt jedoch weitgehend auf bereits wasserreiche Regionen und einige tropische Feuchtgebiete, während die Niederschlagsmenge und Wasserverfügbarkeit in Trockengebieten, insbesondere in Afrika, deutlich abnehmen wird.

Während wir die Jahre seit der Industrialisierung für den Aufbau unseres Wohlstands genutzt  und dabei die Zerstörung des Klimas in Kauf genommen haben,  ist den Entwicklungsländern, die kaum etwas zur Zerstörung des Klimas beigetragen haben, dieser Weg nun zur Bewahrung des Klimas verwehrt.

Hinzu kommt, dass der arme Teil der Weltbevölkerung nicht nur stärker den existenziellen Risiken ausgesetzt, sondern auch kaum in der Lage ist, passende Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Ihnen mangelt es an technischen, finanziellen und personellen Kapazitäten und Infrastruktur. Die ohnehin bestehende globale Armut und Ungleichheit wird verstärkt. Schließlich sind gerade die Entwicklungsländer und besonders verletzliche Gruppen wie Frauen oder auch indigene Gruppen auf lokaler und internationaler Ebene in den entscheidenden Gremien und Debatten häufig unterrepräsentiert.

 

Was muss passieren?

1. Die Industrieländer müssen die Verantwortung für ihr Verhalten übernehmen und ihre Emissionen schnellstmöglich reduzieren. Hierfür sind eine Änderung des Lebensstils jedes einzelnen und der Wirtschaftsweise insgesamt erforderlich. „Immer weiter wachsen" ist mit dem Klimawandel nicht möglich.
2. Wir brauchen Modelle, die den Notwendigkeiten des Klimaschutzes genau so Rechnung tragen, wie dem Recht der armen Länder, sich zu entwickeln. Ein sinnvoller Ansatz ist der Greenhouse Development Rights-Ansatz, der die tatsächliche Verantwortung eines Landes für den Klimawandel und die jeweils vorhandene wirtschaftliche Leistungsfähigkeit sowie die Einkommensverteilung in den Ländern berücksichtigt (siehe http://www.boell.de/navigation/klima-energie-571.html).
3. Die Industrieländer haben die Verantwortung, den ärmeren Ländern eine klimaschonende Wirtschaftsentwicklung zu ermöglichen. Technische, finanzielle und institutionelle Unterstützung ebenso wie faire Chancen auf dem Weltmarkt sind notwendig, um Entwicklung und Anpassung an den Klimawandel zu ermöglichen.
4. Klimaschutz und Verwirklichung der Menschenrechte gehen Hand in Hand. Die betroffenen Menschen benötigen eine Chance zur Anpassung, z.B. durch Beratung, Zugang zu sozialen Grunddiensten und konkrete finanzielle und technische Unterstützung. Sie müssen die Chance bekommen, ihre Entwicklung selber in die Hand zu nehmen und der Ungerechtigkeit entgegen wirken zu können.
5. Die Stimmen der besonders betroffenen Länder und Menschen müssen in den internationalen Diskussionen mehr Gewicht erhalten.

 

Auf dem Bild sehen Sie Vertreter_innen von kirchlichen, umwelt- und entwicklungspolitischen Organisationen aus Bolivien, den Fidji-Inseln, Indien, Kirgisistan und Tansania in Berlin gegen den Neubau von Kohlekraftwerken in Deutschland.