Partnerinnentreffen 2008
Um eine Grundlage für das gemeinsame Projekt zu erarbeiten, besuchte der VEN seine beiden Partnerländer bzw. - organisationen im Verlauf des Jahres 2008. Im September/ Oktober wiederum sammelten Andrea Guzmán und Grace Mketto Eindrücke in Deutschland und informierten hier über die Situation in ihren Ländern.
Reise nach Bolivien: 30.01.-19.02.2008
Die erste Reise innerhalb der Projektzeit ging im Januar/ Februar nach Bolivien. Bolivien zählt weltweit zu den acht vom Klimawandel besonders betroffenen Ländern. In den zwei Wochen im Land wurden neben La Paz auch einige kleinere Orte in unterschied-lichsten Gegenden besucht, z.B. das in einer trockenen Gegend liegende und für seinen Karneval berühmte Oruro, in dessen Umfeld hauptsächlich Viehzucht betrieben wird. Eine Frauenkooperative, mit der CENPROTAC, unsere Partnerorganisation hier eng zusammen arbeitet, ist in der Milchverarbeitung tätig. In Camillaya, das in der Region Inquisivi in den Tälern liegt und wesentlich fruchtbarere Böden aufweist, trafen wir darüber hinaus eine Frauengruppe, die Heilkräuter anbaut und verarbeitet. Sehr deutlich wurde die hohe Abhängigkeit vieler BolivianerInnen von der Landwirtschaft bzw. den natürlichen Ressourcen.Der Klimawandel äußert sich - neben den Katastrophen, die z.B. mit El Niño einhergehen - für viele Kleinbauern und - bäuerinnen unter anderem in steigenden Temperaturen. Mehr und mehr Menschen sind gezwungen, ihre traditionellen Anbaugebiete auszuweiten und neue Gemüse- und Getreidesorten anzupflanzen, die wär-meren Temperaturen standhalten. Auch zunehmende Regenfälle und Verschiebungen der Regenzeiten in einigen Regionen, Erosion und zunehmende Trockenheit in anderen sind deutliche Zeichen des Wandels. La Niña und die mit den Überschwemmungen einhergehen-den Ernte- und Herdenverluste führten in der Zeit unseres Aufenthalts in einigen Regionen zu immer höheren Lebensmittelpreisen und machten damit die Relevanz der Thematik deutlich.
Reise nach Tansania: 03. - 20. Juni 2008
Vom 03. bis 20. Juni 2008 fand ein Projektbesuch bei Inades FT, der tansanischen Partner-organisation statt. Während des knapp zweiwöchigen Aufenthalts trafen wir verschiedene, außerordentlich engagierte Frauen, die häufig aus der Not heraus - weil die Böden und / oder Ernten immer schlechter wurden oder das Land erodierte - aktiv und engagiert die An-baumethoden variierten, Wald wieder aufforsteten usw. Neben den einzelnen Frauen lernten wir zwei Gruppen von Kleinbäuerinnen kennen, die gemeinsam Ackerbau sowie Geflügel- und Fischzucht betreiben. Die meisten der von uns getroffenen Frauen und Männer stellten ihre Aktivitäten direkt in den globalen Zusammenhang des Klimawandels bzw. -schutzes. Bereits seit einigen Jahren beobachten sie den Temperaturanstieg, immer heftigere und unvorhersehbarere Regenfälle und damit einhergehende Bodenerosion bzw. das Verrotten des Saatguts, zunehmende Malariafälle und längere Wege um Feuerholz bzw. Wasser zu holen.Annemarie Volling, die Koordinatorin des Projekts „Gentechnikfreie Regionen" bei der Ar-beitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V. (AbL) hat uns auf dieser Reise begleitet und einen interessanten Reisebericht verfasst.
Den Reisebericht von Annemarie Volling können Sie hier downloaden.
Besuch der Partnerorganisationen in Deutschland: September 2008
Ob im Umweltzentrum Hannover oder auf der VEN-Konferenz "Gegenwind!", bei Treffen mit dem Bürgermeister der Stadt Lüneburg, bei einer Aktion in Berlin, bei der Grace Mketto und Andrea Guzmán mit vier weiteren internationalen „KlimazeugInnen" auf einem Floß auf der Spree fuhren oder bei der Demonstration gegen den Ausbau des Kohlekraftwerks Jänsch-walde - die Aussage der Südpartnerinnen im VEN-Projekt „Frauen stärken. Klima wandeln!" war eindeutig: Der Klimawandel findet statt und wir, vor allem hier in den Industrieländern, müssen endlich handeln! In Berlin übergaben die KlimazeugInnen, die von Mitgliedsorganisationen der Klima-Allianz eingeladen worden waren, Herrn Kloke-Lesch vom Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit eine Petition, in der sie insbesondere ein Moratorium für den Bau von Kohlekraftwerken forderten. Konsequenter Klimaschutz - so machten sie deutlich - ist zur globalen Überlebensfrage geworden.
Knapp zwei Wochen waren Andrea Guzmán (Cenprotac, Bolivien) und Grace Mketto (Inades FT, Tansania) in Deutschland. Neben der Auseinandersetzung mit der Klimapolitik der Bundesregierung standen vor allem Treffen mit Landwirten und Landfrauen, Verbänden und Menschen, die sich für Klimaschutz, für globale Gerechtigkeit und Frauenrechte einsetzen, auf dem Programm. Hierbei stellten sie einerseits immer wieder die immensen Unterschiede zwischen ihren Ländern und Deutschland fest und waren überrascht angesichts der Größe von „kleinen" Bauernhöfen, von Dörfern, Biogasanlagen usw., die kaum mit denen in Tansa-nia und Bolivien vergleichbar sind. Andererseits aber stellten sich in den Gesprächen viele gemeinsame Fragen ebenso wie übertragbare Lösungsansätze heraus. So wurden auf dem Bauckhof Amelinghausen über Hecken als Erosionsschutz und Kräuter als Basis nachhalti-ger, ökologischer Landwirtschaft und mit Neuland-Landwirt Martin Schulz über Vor- und Nachteile von Biogas-Anlagen diskutiert, um nur einige Beispiele zu nennen. Daneben wurde das Projekt weiter entwickelt und die nächsten Schritte konkretisiert.
Und hier finden Sie einen ausführlicheren Bericht über die „KlimazeugInnen-Tour" und die Petition.





