Newsletter No. 15 vom 14.06.2010

Als Volunteer bei der FIFA

Der Start der Weltmeisterschaft steht nun direkt vor der Tür, alle scheinen
vom Fieber angesteckt zu sein und die nötigen Vorbereitungen sind beendet.
So sind auch die Volontäre von der FIFA bereit, die Welt in Südafrika zu
begrüßen. Nach einer langen Bewerbungsphase wurden 18.300 freiwillige Helfer
in insgesamt 16 „functional areas" ausgewählt. Sie sollen Aufgaben wie
Transport, Ticketing, Willkommens- und Informationsservice übernehmen. Dafür
sind sie an verschiedene Orte verteilt und freuen sich nun auf den Anpfiff
am 11.Juni. Seit Monaten durchlaufen sie, stets abrufbereit, ein Trainingsprogramm und nun wenige Tage vor dem Start wissen alle, was auf so ungefähr sie zukommen
wird.


Ich sitze nun als einer dieser Volontäre, gekleidet in einem formellen
Anzug, im Courtyard Media Hotel in der Nähe des Stadions der Hauptstadt in
meiner letzten Trainingseinheit und bereite die abschließenden Schritte zum
Gelingen der Media-Betreuung vor. Ziel meiner Teamleiterin ist es, dass
Pretorias die beliebteste Host-City des Turniers wird. Teil meiner Aufgaben wird
sein, den Shuttlebus zu koordinieren, der die Photographen und Journalisten
bis in die frühen Morgenstunden von ihren Unterkünften zum Flughafen und
Stadion bringen wird. Regelmäßiges Training hat mich auf die kommenden Wochen vorbereitet und nun bin ich gespannt, ob mein Wissen über Pretoria/Südafrika ausreicht, die
Fragen aller Gäste zu beantworten, denn Regel bei der FIFA ist: „Weiß ich
nicht, gibt's nicht"!

Es verbleiben noch 4 Tage bis zum Kick-Off. Das grosse Eroeffnungsspiel,
SuedAfrika gegen Mexico ist zum Greifen nahe. Die Vuvuzelas sind ueberall zu
hoeren, und je nach Tageszeit auch schon manchmal nervig. Interessanter wird
es dann noch bei den Fussballspielen selbst. Man stelle sich ein Stadium wie
Soccer City in Soweto, Johannesburg vor. Mit einem Fassungsvermoegen von
94.700 Zuschauern ist es das groesste Stadion Afrikas. Wenn nun nur 10% der
Fans das Vuvuzela ertoenen lassen, entsteht eine unglaubliche
Geraeuschkulisse. Da fragt man sich doch, inwiefern das die Spieler der
gegnerischen Mannschaft irritieren wird. Vielleicht ist es auch einfach Teil
einer interessanten Spielstrategie. Eines ist jedoch sicher: Gewinnt Sued
Afrika am Freitag beim Eroeffnungsspiel gegen Mexico, dann wird
„gevuvuzelat" bis zum Tinitus.

Die Stadt Johannesburg hat nun auch ein Handbuch fuer Touristen
herausgegeben, welches sich „The Safety and Protection Information
Guidelines" nennt. Dort findet man die Telefonnummer von Polizei oder
Krankenwagen, aber auch nuetzliche Tipps wie z.B., dass man niemandem
erlauben soll, einen anzufassen, oder das man beim Sex mit Unbekannten stets
ein Kondom benutzen soll. 80.000 Exemplare gibt die Stadt Johannesburg an
die WorldCup-Touristen heraus.

Kurz vor Beginn der Weltmeisterschaft hat der Fernsehsender SABC, welcher
als Einziger die Fussballspiele uebertragen wird, die Sprachen
bekanntgegeben in welchen die Spiele kommentiert werden. Eine heisse und
sogar politische Diskussion entfachte diese Entscheidung am letzten
Dienstag, denn von Suedafrikas 11 offiziellen Sprachen werden 5 verwendet,
Englisch, Tswana, Xhosa, Sotho und Zulu. Insbesondere Afrikaans sprechende
fuehlen sich benachteiligt. SABC erwiderte dazu, man koennte die Spiele im
Radio in allen 11 Sprachen verfolgen, der Nachteil waere dann halt nur, dass
man nichts sieht, sondern nur hoert - Radio eben.

Wer sich entschieden hat, SuedAfrika waehrend der WM zu besuchen und strikte
Sicherheitsmassnahmen einleiten moechte, dem muss gesagt werden, dass alle
Bodyguards restlos ausgebucht sind. Insbesondere die amerikanischen Fans
dachten sich, es waere doch sinnvoll, keinen Schritt ohne Bodyguard in
Suedafrika zu machen. Dafuer bezahlt man dann 300 - 500 EUR am Tag und dann
„dackelt" einem ein muskuloeser Mann hinterher, sogar im Stadion.
Interessant ist dann die Vorstellung, dass bei einem Amerikaspiel die
Haelfte der Sitzplaetze im Stadium von Bodyguards belegt sind. Dazu kann nur
gesagt werden: Leute, uebertreibt nicht, bewegt euch frei, geniesst das
schoene Land und passt dabei trotzdem auf, genauso wie man es eben ueberall
anders auf der Welt auch zu tun hat!

Vielleicht erinnert sich noch jemand an die Diskussion um das Velmore Grande
Hotel, welches von unserer Deutschen National Elf beherbergt werden soll. Es
ging um Sicherheitsfragen und darum, dass die oertlichen verantwortlichen
Behoerden kein gruenes Licht geben konnten. Das alles ist nun beseitigt und
die Buergermeisterin von Pretoria sagte am vergangen Dienstag, dass das
Hotel eine Genehmigung bis Ende Oktober diesen Jahres zum Aufnehmen von
Gaesten bekommt. Irgendwie waere es doch ein besseres Gefuehl zu wissen,
dass die Genehmigung nicht zeitbegrenzt waere.

Weiterhin wird erwartet, dass die kommende Weltmeisterschaft das Land und
deren Leute auch lange nach WM profitieren laesst. So sagt ein Sprichwort in
der Sprache Sespedi „MOENG e tla ka geso je ka wena", was so viel bedeutet
wie „Gaeste, kommt in mein Haus und wir behalten all die Schoenheiten, die
ihr bringt". Bei diesem Gedanken geht es nicht nur um Geld sondern auch um
allgemeine Verbesserungen der Lebensumstaende der Leute, insbesondere in den
ländlichen Gegenden, wo Elektrizitaet oder fliessend Wasser manchmal noch
Wunschvorstellung ist.

 

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